Die Rolle von Design in der Musik

 
Wie die Musik ist auch der Bereich Grafik und Design durchdrungen von Emotionen, Bedeutung und Schönheit. Anders als Musik wurzelt die Grafik jedoch in Funktionalität und Alltagstauglichkeit. Mit dem visuellen Design interagieren die Menschen jeden Tag, es vermittelt ihnen Informationen und hilft ihnen dabei, alltägliche Aufgaben zu planen und auszuführen. Manchmal geht Design auch über den rein praktischen Aspekt hinaus und hilft beim Erfassen und Interpretieren zugrunde liegender Botschaften (etwa von Persönlichkeit, Werten oder Emotionen).
Bekannte Albumcover, Websites, Poster oder gar Software sind nur ein paar Beispiele für angewandtes Design, mit dem Menschen eine tiefere Verbindung eingehen.

Aber wie kommt jene Verbundenheit zustande? Und wie können Musik und Design zusammenwirken, um Künstlern zu helfen, ihre angepeilte Zielgruppe zu erreichen?
In diesem Beitrag werden wir diese Themen behandeln und zeigen, wie Künstler ihr Publikum ansprechen und erreichen, indem sie eine Strategie für ihr Design planen und ausarbeiten.
 

Teile des großen Ganzen

Ich arbeite als Designer und verbringe die meiste Zeit damit, Produkte und Services für Unternehmen und deren Nutzer zu entwerfen. Bei diesen Produkten ist mein Job nicht nur, für ein ansprechendes Äußeres zu sorgen, sondern auch Lösungen zu erschaffen, die den Nutzern ermöglichen, das zu tun, was sie tun wollen.
Genau wie erfolgreiche Unternehmen brauchen auch ambitionierte Künstler und Musiker eine gut durchdachte Design-Strategie und ein kohärentes Markenbild, um den gewünschten Markt zu erreichen.
Ein gutes Branding umfasst mehrere Bereiche und hilft dem Publikum, die Werte des Künstlers zu verstehen, das was er erreichen will und wie er es angeht. Ob man es gut findet oder nicht – die Markenstrategie hat oft einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Künstler ihre potenzielle Fans erreichen.

Um dieses Thema zu verstehen, schauen wir uns erst einmal die Grundelemente des Branding an. Auch wenn sie offensichtlich erscheinen, das wichtigste ist, sie als Bestandteil des ‚big picture’ zu betrachten.
Und auch wenn sich viele Design-Entscheidungen für dich natürlich anfühlen oder logische Repräsentationen bzw. Erweiterungen deiner künstlerischen Vision oder deines Charakters sein mögen, es schadet nie, darüber nachzudenken, wie sie bei deinem Publikum ankommen werden.

Die Grundbausteine deiner Marke werden höchstwahrscheinlich Folgendes beinhalten:

  • Entscheidungen über Farbe, Bildsprache und Schriftstile im Artwork und in anderen grafischen Medien.
  • Tonalität und Persönlichkeit bei Interviews und in den sozialen
  • Styling und Outfit-Wahl bei Pressefotos und Auftritten

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Das Branding einer Ikone

Um zu illustrieren, wie diese Elemente zusammenspielen, um zu einer kohärenten Marke zu werden, betrachten wir einmal, wie eine sehr renommierte Künstlerin diese Themen angeht. Die isländische Sängerin Björk ist ein sehr interessantes Beispiel. Sie wird nicht nur international für ihre Musik verehrt, ihr eilt auch der Ruf eines Innovators voraus. Warum nehmen wir sie so wahr? Geht es hier nur um ihre Musik oder ist da noch etwas im Spiel? Nehmen wir ihre Marke anhand der oben genannten Aspekte genauer unter die Lupe:

  • Björks grafischer Auftritt ist markant, einzigartig und gut ausgeführt. Die Artworks ihrer Alben sind einfach, eklektisch und stellen sie direkt in den Fokus.
  • Ihre Fotos und Pressefotos setzen das Konzept des Albums in Sachen Einfachheit fort, und obwohl sie immer ihre exzentrische Natur transportieren, zeigt sie sich darauf von ihrer menschlichen Seite.
  • Ihre Kostüme und Bühnenoutfits sowie ihre Kleidung auf Fotos sind oft sehr aufwändig und unterstreichen ihre Extraversion, ihre Fantasie und Detailverliebtheit.
  • In Interviews ist sie offen und direkt – mitunter sogar ein wenig kratzbürstig. Sie scheut sich nicht, die persönlichen wie gesellschaftlichen Themen, die sie auf ihren Alben behandelt, zu erläutern.
  • Sie greift begeistert neue Technologien auf. Ihr 2011er-Album „Biophila“ wurde zuerst ausschließlich in Form einer Mobile App veröffentlicht. Für ihr neues Album „Vulnicura“ wurde für jedes Stück ein begleitender immersiver 360°-Virtual-Reality-Clip angefertigt.

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Die Kombination dieser Elemente bildet eine starke und klar umrissene Marke. Als Künstlerin wird Björk als innovative, vorwärtsgerichtete Künstlerin mit festem menschlichen Wertbild gesehen. Ein starkes Markendesign und eine klare Strategie unterstreichen und erweitern dies und helfen ihr, mit ihrem Publikum auf einer bedeutsamen Ebene zu interagieren.

Björk mag ein extremer Fall sein, aber er illustriert, wie die genaue Abstimmung zwischen Design und Produkt – sei sie natürlich gewachsen oder penibel geplant – eine kohärente Marke bilden können.
 

 

Genauer betrachtet

Welche praktischen Lektionen können wir aus dem Markenauftritt eines globalen Acts wie Björk lernen?
Die wichtigste beinhaltet, eine klare Vision für dein Projekt zu haben. Um diese zu finden, musst du dich erst mal fragen, welche Story oder Aussage den Kern deines Projekts beschreibt, für welche Zielgruppe das Projekt gedacht ist und in welcher Form diese mit ihm interagieren soll.
Wenn diese Fragen beantwortet sind, fällt es leichter, eine kohärente Design- und Markenstrategie zu entwerfen. Als Grundlage nehmen wir die oben beschriebenen Grundelemente.

  • Tonalität:
    • Wie willst du mit deinem Publikum in den sozialen Medien kommunizieren?
    • Wie gehst du mit Journalisten und der Presse um?
  • Kanäle:
    • Über welche Kommunikationskanäle sprichst du dein Publikum an?
    • Welchen Zweck verfolgt jeder Kanal?
    • Ist deine Marke auf allen Kanälen konsistent vertreten?
  • Optik:
    • Wie wirken die verschiedenen Designelemente am besten zusammen, um deine Vision zu transportieren?
      • Repräsentieren die von dir verwendeten Schriftarten deine Stimme und deine Persönlichkeit? Dieser Punkt wird oft übersehen. Der richtige Einsatz von Typographie verleiht deinem Design einen individuellen Charakter. Bei Noupe findest du einen nützlichen Typographie-Einsteigerkurs für den Anfang.
      • Ist der Einsatz der Farben stimmig? Die psychologische Wirkung von Farben ist eine Wissenschaft für sich. Die Website Colour Meanings bietet dir eine Ressource, um nachzuschlagen, wie Farben in verschiedenen Bereichen und Kulturen wahrgenommen werden.
      • Ist deine Vision durch die Fotografien, die du verwendest, richtig repräsentiert? Will dein Publikum diese Hochglanz-Fotografie von dir bzw. der Band, oder spricht es vielleicht besser auf etwas an, das deinen Sound oder deiner Ästhetik näher kommt?
  • Wie gewinnst du am besten die Aufmerksamkeit deines Publikums?
    • Würde ein technologisch innovativer Ansatz wie bei Björk für Aufsehen sorgen? Oder würde eine Kollaboration mit anderen Künstlern oder anderen lokalen Institutionen dich weiter bringen?

Eine Sache noch

Als letzten Punkt möchte ich noch daran erinnern, dass sich die Kunst fortlaufend verändert. Obwohl eine kohärente Marke wünschenswert ist, ist das Konzept kein statisches. Zeiten, Trends, Musik und Publikum – alles ändert sich.
Also, nimm‘ dir ab und an die Zeit, dich auf deine Vision und dein Publikum zu besinnen, um deiner Marke und deiner Musik dauerhaft Relevanz und Qualität zu verleihen.

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