Das preiswerte Home Recording Studio (Teil 2)

Das preiswerte Home Recording Studio (Teil 2)

von Andy Prinz

 

Home Recording StudioIm vorangegangenen Teil 1 haben wir uns einen kleinen Ueberblick über die verschiedenen Komponenten einer DAW (Digital Audioworkstation) verschafft. Dazu gehören Computer, Audiointerface und Software. Jetzt komplettieren wir das Minimal-Setup unseres Homerecording-Studio’s mit  weiteren notwendigen Komponenten.

 

MIDI-Keyboard und Co.

Wer Virtuelle Instrumente spielen möchte, der braucht entweder ein externes Gerät wie einen Synthesizer oder ein Keyboard, welches via MIDI an den Computer angeschlossen werden kann (mittels MIDI-Interface oder direkt via USB), oder ein einfaches USB-MIDI-Keyboard mit Controller-Funktionen. Die Auswahl dazu ist riesig: Die Palette reicht von simplen 2-oktavigen Mini-Tastatur-Keyboards bis zu komplexen halbgewichteten Tastaturen mit einer Fülle von Reglern und Potentiometern. Vorallem Fans Elektronischer Musik begrüssen zahlreiche haptische Controller-Funktionen – Filterfahrten und Mixautomationen gehen damit viel leichter von der Hand als mittels Mausbewegungen.

Gitarristen oder andere Instrumentalisten brauchen nicht unbedingt USB-Controller, zählen aber oftmals ebenfalls auf neue, moderne Tools (z.B. einen Controller für Native Instruments‘ GuitarRig). Normalerweise reicht ihnen das Audiointerface zur Aufnahme ihrer Sessions. Hier muss wieder beachtet werden, dass gewisse Interfaces tauglicher sind, als andere. So empfiehlt sich bspw. für Gitarristen ein Hi-Z-Eingang, der mit einer anderne Ohmzahl als übliche Instrumenteneingänge operiert.

 

Studio Monitore

Hier verbirgt sich eine der teureren Komponenten, wenn man etwas anständig klingendes anschaffen will. Die professionellen, aktiven Lautsprecher können locker nochmals so viel wie der Studio-Rechner kosten, und man sollte hier wirklich nicht sparen, vorallem wenn man zuhause abmischen will. Die richtige Abhöre sollte einen möglichst neutralen Frequenzgang aufweisen und nichts „schönfärben“. Und da es zigfach verschiedene Abhörsituationen und –systeme gibt, sollten die Studio-Monitore zuhause auch möglichst neutral und ausgeglichen klingen. Die Abstimmung zwischen Lautsprecher und Verstärker muss optimiert sein – deshalb empfiehlt sich der „aktive“ Monitor mit integriertem Verstärker. Natürlich gibt es eine Komponente namens „persönlicher Geschack“, aber etablierte Marken sind zu bevorzugen.
In gewissen Situationen vermag auch ein Kopfhörer taugliche Dienste zu leisten, aber die Räumlichkeit wird in einem akustisch ausgeglichenem Raum mit entsprechenden Studio Monitoren besser dargestellt. Und das Gehör ermüdet auch weniger schnell. Zudem kann es bei gewissen Kopfhörern, die geschlossen sind, temperaturbedingte klangliche Veränderungen im Gehör geben.

 

Mikrofon und Pre-Amp

EDM Produzenten, die selbst keine Vocals oder externe Instrumente aufnehmen wollen, können auf Mikrofone und Vorverstärker verzichten und dafür ein paar Virtuelle Instrumente, Plugin’s oder Samples mehr kaufen. Wer aber sauber klingende Aufnahmen machen will, der braucht zwingend ein professionelles Mikrofon. Die Wahl muss nicht grad auf das 5000 EUR / 6000.- CHF-schwere Röhrenmikrofon fallen, aber eine Investition jenseits der 800 EUR / 1000.- CHF Grenze ist auch dafür angebracht.  Marken wie AKG, Neumman oder Brauner sind legendär, jedoch gibt es auch zahlreiche andere, neuere Player aus aller Welt, die qualitativ hochwertige Mikrofone bauen.

Aufnahmeraum und dessen akustische Beschaffenheit spielen natürlich ebenfalls eine starke Rolle. Und dann muss das Mikrofon  – je nach Anwendung – auch noch richtig positioniert werden.

Das Mikrofonsignal kann bei den meisten Audiointerfaces zwar über den zugehörigen Mic-Input direkt aufgenommen werden (Kondensatormikrofone benötigen eine Phantomspeisung), aber Aufnahmen über einen entsprechenden Mikrofon-Vorverstärker (Pre-Amp) klingen einfach um Welten besser! Ausserdem  bieten die meisten Pre-Amps zahlreiche Zusatzfunktionen wie Low-/High-Cuts, Equaliser oder sogar Kompressoren, Limiter und/oder De-Esser, die oftmals besser als ihre virtuellen Pendents im Computer klingen. Aber aufgepasst: Ein zu starker Einsatz dieser Tools bei der Aufnahme verbaut mögliche spätere Anpassungen oder Audiokorrekturen.

Kabel und Zubehör

Ohne Kabel, kein Sound. Und normalerweise beinhalten die einzelnen, oben aufgezählten Komponenten nur Stromkabel oder Verbindungskabel wie USB oder Firewire. Alles weitere muss separat dazu gekauft werden: Es braucht natürlich Kabel vom Audiointerface zu den Studio Monitoren (Lautsprechern), üblicherweise im XLR-Format (oder als Stereo-Jack), und Kabel von den Mikrofonen und Instrumenten zum Audiointerface-Eingang, welche ebenfalls symmetrisch ausgelegt sein sollten. Bei Digitalverbindungen gibt es – je nach vorhandenen Anschlüssen – optische oder coaxiale Kabel, wobei im Profibereich AES/EBU verwendet wird. Bei Gebrauch von mehreren digital verbundenen Geräten, empfiehlt sich zusätzlich ein getaktetes Wordclock-Kabel (BNC, 75 Ohm).

Damit habt ihr alles beisammen, was für ein minimal ausgelegtes Homerecording-Studio benötigt wird. Um die persönliche Auswahl der Komponenten zu treffen, könnt ihr euch bei einem Fachhändler oder online beraten lassen. Vor allem Studio Monitore sollte man unbedingt anhören und direkt vergleichen. Tipp: Nehmt dazu eine eigene CD mit verschiedenen Titeln darauf mit, welche euch als Referenz dienen und dessen Soundeigenschaften ihr am besten kennt. So könnt ihr die akustischen Eigenheiten der Monitore besser unterscheiden, da ihr mit dem Klangmaterial vertraut seid!

 

Teil 1 dieses Blogs findest du hier!