Die richtige Strategie für Showcase Festivals

In ganz Europa finden eine Reihe von Showcase Festivals statt. Ihr Ziel ist es, Nachwuchs-Acts, neue Talente und die Headliner von Morgen zu fördern. Eurosonic Noorderslag in Groningen, Holland, The Great Escape in Brighton, England, und das Reeperbahn Festival in Hamburg, Deutschland dürften die prominentesten sein. Wir haben bereits über den Wert solcher Events berichtet und dabei stets betont, dass es entscheidend ist, eine Strategie zu haben, bevor man sich dort um einen Auftritt bemüht. Wir haben zwei Schweizer Acts, die dieses Jahr beim Eurosonic aufgetreten sind, nach ihrer jeweiligen Strategie gefragt: Ursina und Damian Lynn.

 

 

Das Ziel

„Mein Hauptziel ist es, eine gute Show zu spielen. Hoffentlich gefällt das einigen der Branchenprofis im Publikum, so dass sich sie mich entweder für ihr Festival buchen oder sich andere hilfreiche Kontakte ergeben, etwa mit Labels, Booking-Agenturen etc. Ein weiterer Pluspunkt solcher Festivals ist die Tatsache, dass dein Name auf dem Programm erscheint und Leute ihn lesen. Ein Auftritt beim Eurosonic ist ein Argument“, meint Lynn. Ursina erhofft sich, „von Konzert- und Festivalveranstaltern, Medienleuten und Booking-Agenten gehört zu werden. Das Showcase Festival Eurosonic ist sehr gut organisiert und hat bereits im vornherein sehr gute Kommunikationsarbeit geleistet. Unser Auftritt wurde gut angekündigt und so gab es bereits vor unserem Auftritt in Groningen vereinzelt Journalisten, die auf uns aufmerksam wurden. Auch in der Schweiz half uns diese Ankündigung, Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Doch es kommt noch besser: „Ein paar Tage nach dem Auftritt am Eurosonic haben wir nun erste Reaktionen und eine erste Festivalanfrage erhalten. Eine Booking-Agentur aus Deutschland ist außerdem an einer Zusammenarbeit interessiert. Einige meiner Erwartungen wurden also bereits erfüllt. Ob und was sich daraus ergeben wird, wird sich zeigen. Ich freue mich über diese ersten Reaktionen und würde mich freuen, wenn sich daraus konkrete Zusammenarbeiten oder Engagements ergeben.“

 

Die Strategie

Ursina kontaktierte die Leute, mit denen sie und ihre Band gerne zusammengearbeitet hätten, bereits vor dem Event. Gerade erschien ihr Debütalbum „You have my heart“. „Für diesen Release haben wir die Label- und Publishing-Situation bereits geklärt. Am Eurosonic lag unser Fokus daher bei ausländischen Booking-Agenten und bei Festival- und Konzertanfragen.“ Auch Lynn lud so viele Leute wie möglich zum Showcase ein, und kontaktierte sie im Anschluss an die Show. „Die Einladungen wurden von unserer Booking-Agentur für die Schweiz und Deutschland vor und während des Festivals versandt. Sie wird sich anschließend auch mit sämtlichen eingeladenen Festivals erneut in Verbindung setzen.“

Das Team

Das Team ist stets entscheidend, wenn man Geschäfte machen will, worum man auch als Künstler nicht herumkommt. Für Ursina ist das Dreigespann bei ihrer Management-Firma Reelmusic derzeit die wichtigste Säule: David Burger (Management), Frederick Dürr (CH-Booking) und Cristina Vega (CH-Promotion). „Sie kommunizieren und verhandeln mit Medien und Konzertveranstaltern. Außerdem kann ich in Deutschland auf die Unterstützung meines Verlages Wintrup zählen. Dieser ist dort auch für die Radiopromotion zuständig“, erklärt die Sängerin. „Bis vor kurzem hatte ich aber noch kein Team, das mir in Geschäftsangelegenheiten den Rücken stärkte. 2011 habe ich meine Band Ursina gegründet. 2013 und 2014 kamen dann die ersten zwei EP’s ,Time Is A Thief’ und ,Hiding Behind A Mask’ heraus, die ich produziert, finanziert und vertrieben habe – mithilfe von iMusician und Bandcamp. Einzig bei der Promotion stieß ich an meine Grenzen und holte mir daher in diesem Bereich Hilfe. Auch die Release-Tour zu den EPs habe ich selber organisiert. All diese Erfahrungen haben mich auch als Künstlerin weitergebracht, weil ich nun weiß, was es heißt, Konzerte zu organisieren und Verhandlungen zu führen.“ Und sie fährt fort: „Newcomern empfehle ich deshalb zunächst, so viel wie möglich selber zu machen und Entscheidungen selber zu treffen. Wenn man eine Zusammenarbeit eingeht, dann ist es wichtig, dass beide Parteien auf Augenhöhe sind und dass man selbst weiß, was man will und vor allem auch, was man nicht will. Die Personen, mit denen man zusammenarbeitet müssen zu 100 Prozent hinter dem Projekt stehen und davon begeistert sein, sonst bringt es nichts. Ich würde sagen, dass man sich zunächst in den Bereichen Promotion und Booking Hilfe suchen sollte. Das wichtigste ist ja, dass man Konzerte spielen kann. Damit die Leute an diese Konzerte kommen, ist es von Vorteil, wenn in den Medien darüber berichtet wird.“ Damian Lynn war schon immer skeptisch und nahm sich eine Menge Zeit, bevor er sich auf die Zusammenarbeit mit anderen Leuten einließ, geschweige denn, sie in sein Team aufnahm. „Ich denke, das ist eine gute Einstellung. Du solltest nicht naiv sein, wenn dir Leute die ganze Welt versprechen. Ich habe meine Auftritte zunächst selbst gebucht, begann anschließend allerdings, mit einer Booking-Agentur zusammen zu arbeiten. Meiner Meinung nach ist es mit am wichtigsten, live zu spielen. Und da das Buchen von Shows eine Menge Zeit in Anspruch nehmen kann, ist es wirklich hilfreich, jemanden zu haben, der das für dich übernimmt.“ Für Lynn waren die wichtigsten Faktoren seines bisherigen Erfolgs eine große Zahl an Live-Auftritten, harte Arbeit und eine gesunde Prise Skepsis. Außerdem rät er: „Sei nett zu Leuten.“ Für Ursina sind die wichtigsten Faktoren „Ausdauer, Konstanz, einen Schritt nach dem anderen, Neugier und der Glaube an das, was ich mache.“

Fazit

Das Geld verdient man als Musiker heute im Live-Bereich. Deine Live-Fähigkeiten sind der wichtigste Faktor für einen erfolgreichen Auftritt bei einem Showcase-Festival, es heißt also üben, üben, üben. Beim Eurosonic konkurrieren jedes Jahr rund 400 Acts um die Aufmerksamkeit der Branchenprofis. Lass dich von der Konkurrenz jedoch nicht entmutigen. Live ist als Umsatzquelle mittlerweile so wichtig geworden, dass der Durst nach neuen Acts für erste nicht gestillt werden dürfte. Auf Branchenprofis trifft man auf sämtlichen der eingangs erwähnten Veranstaltungen, zu denen man noch m4music in der Schweiz und Waves Vienna in Österreich hinzufügen könnte. Aber nur beim Eurosonic ist man automatisch auch beim European Talent Exchange Program (ETEP) dabei, wo 100 Festivals sich bereit erklärt haben, Eurosonic-Acts für ihre Festivals zu buchen. Zu den Partner-Festivals zählen Paléo, Gurtenfestival and OpenAir St.Gallen in der Schweiz, Chiemsee Summer, Melt! und Rock am Ring in Deutschland, Frequency in Österreich, Open’er in Polen und viele mehr. Zu den Künstlern, die in der Vergangenheit von ETEP profitiert haben, zählen My Baby, Aurora, Benjamin Clementine, Birth of Joy, Coely, Ewert and the Two Dragons, Hozier, Ibeyi, Jungle, Milky Chance, Seinabo Sey, SOAK, Vök und Years & Years. Es wäre fantastisch, deinen Namen demnächst zu dieser Liste hinzufügen zu können.

 

Teilen

Verwandte Artikel