Decide It Yourself! Was du selbst tun und was du delegieren kannst!

Decide it yourself: was du selbst tun und was du delegieren kannst!

von Martha Rowsell

Heutzutage ist allen MusikerInnen bewusst, dass sie, anders als früher, einige ihrer beruflichen Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen müssen. Seitdem erschwingliche DAWs, Computer und das Internet allgemein verfügbar sind, ist es für viele KünstlerInnen einfacher geworden, unabhängig an ihrer Musik zu arbeiten – und es macht mehr Spaß. Viele Künstler und Künstlerinnen beginnen ihre Laufbahn, indem sie im Prinzip als ihre eigenen Manager auftreten, wie Steve Rennie in seiner Präsentation ‘Träume, und lebe deinen Traum’ hervorhebt. Und manchmal kommt es vor, dass die Branche das bemerkt und irgendwann später wird dir jemand seine Unterstützung anbieten. Vielleicht geht es dir aber auch besser damit, wenn du unabhängig bist und die Kontrolle behältst, indem du die Dinge selbst in die Hand nimmst oder dir von Drittunternehmen helfen lässt.

Das muss nicht heißen, dass alle MusikerInnen ein Interesse daran haben, ihre Karriere à la DIY aufzubauen. Viele der Aufgaben, die mit dem Musikbusiness zusammenhängen, können dich von deiner Kreativität ablenken, dich langweilen oder sich als so kompliziert und überwältigend herausstellen, dass sie dich komplett abschrecken! Die gute Nachricht ist, dass du wahrscheinlich nicht allein damit dastehst, wenn du manche Aufgaben schlichtweg als ermüdend empfindest. Das wiederum realisieren gerade neue Unternehmen und unterstützen MusikerInnen auf eine ganz andere Art, als Labels dies tun würden. Das Ziel ist das gleiche, aber die Kontrolle und die Eigentumsrechte verbleiben verhältnismäßig eher in deinen, in den Musikerhänden.


Was du delegieren kannst

millienals

Mit welchen neuen Firmen könntest du zusammenarbeiten und welche Aufgaben können sie für dich übernehmen? Wie wir in unserem Post über Gigstarter schon erwähnten, verschiebt sich die Definition von DIY seit Kurzem. Auch wenn du nicht mehr unbedingt bei einem Label sein musst – du brauchst dich nicht mehr rund um die Uhr mit all den anderen Tätigkeiten beschäftigen, die der Musikerberuf so mit sich bringt, wie Management, grafisch-künstlerische Arbeiten, Buchhaltung, PR und Booking. Der Unternehmer Derek Sivers hat neulich DIY definiert als ‚Decide it Yourself‚ (‚Entscheide es selbst‘): Denk‘ darüber nach, was ein Label für dich tun würde und organisiere deine Karriere derart, dass dir andere Firmen unter die Arme greifen können, ganz gleich in welchem Bereich du Unterstützung brauchst oder wünschst. Die wichtigsten Aufgaben (außer dem Schreiben von großartigen Songs) beinhalten:

  1. Musikverlags-administration
  2. Synchronisationsrechte
  3. Leistungsschutzrechte
  4. Verwertung/Monetarisierung deiner Songs überall dort, wo die Möglichkeit besteht, inklusive YouTube Monetarisierung.
  5. Gig-/Tournee-Booking und Promotion
  6. Finzanzierung von Album-Produktion, Tournee, etc.

Anstatt sich von diesen Aufgaben überwältigen zu lassen, haben MusikerInnen heutzutage viele Möglichkeiten, beim Managen all dieser Tätigkeiten Unterstützung zu finden, was ihnen Zeit und Energie fürs Musik machen verschafft. Die Liste der Unternehmen ist zu lang, um alle hier aufzuführen, aber wenn du dich durch die weiter oben im Text verlinkten Blogs klickst, wirst du eine Ahnung bekommen, welche Art von Unterstützung gemeint ist.

 

Was du selbst tun sollst

Trotz allem kannst und solltest du dennoch ein paar Dinge selbst in die Hand nehmen:

  1. Social-Media: Auch die berühmtesten Bands updaten ihre Social-Media-Konten selbst. Wie wir neulich schon in unserem Post über Musik für Millennials erwähnten, wollen Fans von heute keine Updates von deinem Manager zu lesen bekommen. Sie wollen, dass du (der Künstler bzw. die Künstlerin) auf deinem eigenen Instagram-, Twitter-, Tumblr- oder Facebook-Profil postest, mit echten Updates aus deinem Leben, mit Bildern und Meinungen. Hypebot hat kürzlich eine nützliche, von Tent Social produzierte Informationsgrafik geteilt, von der du die exakten Maße für deine Photos und Updates ablesen kannst, die diese auf den jeweiligen verschiedenen Social-Media-Plattformen haben müssen, damit deine Seiten professionell aussehen! Es gibt wirklich nichts schlimmeres als verpixelte Bilder, üble Fonts und veraltete Social-Media-Seiten mit nur 2 Followern oder Likes. Es wird Zeit, sich an die praktischen Dinge heranzuwagen! Entdecke den Grafikdesigner in dir oder bitte deine Freunde und Kontakte um Hilfe. Es ist wirklich wichtig, dass du regelmäßig Updates durchführst und persönlich antwortest.
  2. Baue deine Marke auf: Sowohl dein Social-Media-Auftritt als auch die geschäftlichen Entscheidungen, die du im Hintergrund triffst, spielen eine wichtige Rolle. Du als KünstlerIn solltest eine Meinung dazu haben, wie die Dinge auszusehen und abzulaufen haben. Warte nicht auf’s Label, das eines Tages vorbeikommt und aus dir etwas macht, das nur ihr eigenes Branding repräsentiert. Das Schöne an der Indie-Musikindustrie heute ist, dass du dir eine Marke aufbauen kannst, an die du auch wirklich glaubst und die für deine Musik und deine Persönlichkeit steht. Natürlich gibt es ein paar grundlegende Trends und Geschmacksniveaus, bei denen es nicht schlecht wäre, wenn man sich dort einordnen könnte oder sie zumindest gut finden würde! Durch die ‚Decide it Yourself‘-Herangehensweise hast du die Möglichkeit, eine eigene maßgeschneiderte Musikkarriere zu kreieren. Es gibt keinen ‚korrekten‘ Weg und du hast die Wahl, denn die Entscheidung, wo es mit deiner Musik hingehen soll, wie sich dein Image gestalten und wie dein Geld verdient werden soll, liegt bei dir.
  3. Entscheide, zu welchem Genre du gehörst und bewege dich innerhalb dieses Rahmens.Wo auf der musikalischen Landkarte möchtest du wahrgenommen werden? Auch wenn es schwer fallen kann, vor anderen den eigenen Sound zu definieren ohne sich ein bisschen dämlich vorzukommen – es ist trotzdem keine schlechte Idee, wenn du herausfindest, wo du dich einordnest – selbst wenn du das Genre herausfordern und neu definieren willst. Denk darüber nach, für welche Bands du als Support auftreten, auf welchen Festivals du spielen möchtest, usw. Wenn du all das bereits im Vorab weißt, kann dir das helfen, deine beruflichen Schritte und Entscheidungen zu fokussieren.
  4. Verwende außergewöhnlich gutes Artwork und stelle physische Produkte her. Dein gesamtes physisches, sowie digitales Merchandise sollten sowohl dein Image als auch deinen Social-Media-Auftritt widerspiegeln. Visuelles Branding ist die wichtigste Möglichkeit, deinen Fans zu zeigen, wer du bist und sie einzuladen, deine Musik und Persönlichkeit mit dir auf einer tiefergehenden Ebene zu teilen. Auch wenn Kollaborationen eine gute Idee sind – solltest du beim Design Hilfe brauchen, so überprüfe genau, ob die Person, mit der du dich entschließt zusammenzuarbeiten, dich, deine Musik, dein Label und was immer es ist, das du zu sagen hast, auch wirklich versteht.

Am Wichtigsten ist, und daran solltest du immer denken, dass es besser ist, die praktischen, geschäftlichen Angelegenheiten, anstelle der künstlerischen Entscheidungen zu delegieren. Andere Menschen oder Firmen werden eher in der Lage dazu sein, dich beim Einsammeln deiner Tantiemen und Verwalten deiner Verlagsrechte zu unterstützen, als einen Status-Update zu formulieren, der eine Beziehung zu deinen Fans herstellen soll. Trotzdem ist es absolut wesentlich, sich im Musikbusiness auszukennen. Die meisten Musikvertriebe, Labels und Manager werden auf deiner Seite sein, gleichzeitig müssen auch sie einen Gewinn einfahren. Da draußen gibt es so einige falsche Freunde, wie wir neulich schon in unserem Interview mit Stefan Teubner berichtet haben. Wenn du das Business kennst und verstehst und die Unterstützung von anderen, da wo du sie gebrauchen kannst, auch annimmst, dann sollte es dir gelingen und du wirst dich aufs Musik machen und aufs Kreieren der Marke, an die du glaubst, konzentrieren können.