Online-Radio: alles Wissenswerte

 
Die Beliebtheit von Online-Radio-Stationen wie Pandora hat im digitalen Zeitalter ganz schön zugelegt. Sie profitieren von ihrem „Lean Back“-Angebot: Hörer können Play drücken und sich zurücklehnen, während sie Musik, Podcasts und Talkshows genießen, ohne selbst einen Finger krümmen zu müssen – kostenlos oder gegen eine monatliche Gebühr, dafür ohne Werbung.

Pandora hat 80 Millionen Nutzer, ist aktuell allerdings nur in den USA, Australien und Neuseeland verfügbar. Der Plan lautet, so bald wie möglich weltweit am Start zu sein. Andere Angebote stammen von iHeartRadio, das ebenfalls 80 Millionen Nutzer verzeichnet, SiriusXM (30 Millionen), FluxFM aus Deutschland sowie Beats 1 von Apple. Diese Dienste vereinen eine derart große Hörerschaft auf sich, weil sie Gelegenheitshörer ansprechen – diejenigen, die Musik mögen und an den größten Neuerscheinungen interessiert sind, aber sich nicht als leidenschaftlichen Fan bezeichnen würden. Vereinbarungen mit einigen der größten Autohersteller der Welt haben dazu beigetragen, diese Form des Musikhörens populär zu machen.

Trotz der wachsenden Konkurrenz durch Spotify und Deezer, hören drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland nach wie vor Radio, so Markus Kühn, Gründer und Managing Partner von FluxFM. Er sagte bei der diesjährigen Midem: „Die Wahrnehmung ändert sich. Ich glaube nicht, dass sich ein 14-Jähriger einen FM-Transmitter kaufen wird. Auf der anderen Seite ist Radio sehr stabil. Die Tatsache, dass Leute über ihr Smartphone, im Auto oder per Sonos Radio hören, erleichtert es uns erheblich, neue Inhalte und Produkte bereitzustellen, weil die Geräte schon vorhanden sind.“
 

 

Möglichkeiten für Künstler

Wie Streaming-Playlists bietet auch Digitalradio eine Reihe von Möglichkeiten für Künstler, sich Gehör zu verschaffen. Dazu zählen Marketing-Ideen wie beispielsweise Pandoras AMPcast. Er ermöglicht Künstlern, kurze Botschaften für ihre Fans aufzunehmen, und bereitet die Hörerdaten auf, die wiederum verwendet werden können, um Tickets zu verkaufen und Fans in Richtung Musikkauf zu lenken. Traditionelles Radio ist was die Datenübertragungsrate angeht begrenzt, das heißt Stationen haben einen limitierten Sendeplatz. Online gibt es solche Einschränkungen dagegen nicht. Daher können genre- und ortsbasierte Sender Musik ins Programm aufnehmen, die traditionell keine Sendezeit erhalten hat. In den USA hat Online-Radio zudem zu einer weiteren Umsatzquelle für ausübende Künstler geführt, da terrestrisches Radio nur die Songschreiber und Autoren vergütet.

Pandoras CEO Tim Westergren behauptete bei der Midem, dass sein Radiodienst der wichtigste Verkaufstreiber für iTunes und Amazon sei. „[Pandora] ersetzt ein Medium: AM/FM Radio“, so Westergren. Die Hörer wechselten überwiegend von terrestrischem Radio zu Pandora. „Jeders Prozent Marktanteil, dass sich von terrestrischem Radio hin zu Pandora verschiebt, generiert steigende Umsätze in Höhe von 60 Millionen US-Dollar für die Industrie.“

Ungerechte Tarife?

Die Musikbranche hatte nicht immer ein gutes Verhältnis zu Diensten wie Pandora. Sie beschuldigte diese Angebote, unzureichende Lizenzgebühren zu zahlen. Einige argumentieren, diese Dienste hätten mehr mit Spotify und Apple Music gemein als mit terrestrischem Radio. Spotify zahlt im Schnitt 0,006 bis 0,0084 US-Dollar pro Stream, während es bei Pandora für werbefinanzierte Plays rund 0,0017 sind. Dies wird damit begründet, dass Internet-Radio rein verkaufsfördernd wirkt, da Hörer nicht aktiv ins Geschehen eingreifen, im Gegensatz zu Spotify, das eher mit einem Musik-Store vergleichbar ist, in dem sich Kunden entscheiden können, welchen Songs sie hören wollen, wann und wie lange bzw. in welcher Reihenfolge. Die Debatte verstummte in den letzten Monaten jedoch etwas, da sich die Aufmerksamkeit auf YouTube und dessen Auszahlungshöhe richtete.
 


 

Zukunft Digitalradio

Kühn sagt voraus, dass das Format Digitalradio wachsen wird, dank sachkundiger DJs, eines reichhaltigen Angebots und ständiger Empfangbarkeit für den Konsumenten. „Spotify, Apple werden CD-Verkäufe ersetzen. Beim Radio wissen die Leute dagegen zu schätzen, Empfehlungen einer vertrauenswürdigen menschlichen Quelle zu erhalten. Das ist das Radio der Zukunft“, erklärt er. „Du kannst Genres und Marken ausbauen. Wir haben gerade erst Flux Music an den Start gebracht, eine App mit 12 Radiostationen. Wir hoffen, dass es in drei Monaten 30 sein werden. Das wird die Genres, die wir spielen, erweitern, und jedes einzelne wir einen eigenen Moderator mit eigener Persönlichkeit haben. Und wir werden dort sein, wo die Leute sind.

„So hat Radio schon zuvor funktioniert, und das wird sich nicht ändern. Klar, YouTube wird eine Rolle spielen, aber wenn du jung bist, hast du mehr Zeit als Geld. Wenn du älter wirst, ist es genau umgekehrt. Dann zahlst du gerne 10 Mäuse für einen handverlesenen Service.“

Pandora entwickelt aktuell weitere nützliche Dienste für Künstler. Beispielsweise benachrichtigt es Fans bestimmter Künstler, wenn Tickets für ihre Shows verfügbar sind. Die hauseigene Artist Marketing Platform AMP legt offen, wo auf der Welt sich die Hörer befinden, was Künstler in die Lage versetzt mit ihren Fans zu interagieren und anhand ihres Standorts eine Tour zu planen. Pandora benachrichtigt Abonnenten automatisch, wenn Shows ihrer Lieblingskünstler angekündigt werden oder Tickets in den Vorverkauf gehen. Pandora verschickt zudem regelmäßig personalisierte Konzertübersichten per E-Mail. Diese beinhalten Shows, die der Empfänger aller Wahrscheinlichkeit nach gerne sehen würde, inklusive spezieller Angebot für die treusten Fans.

Pandora-Hörer können das Angebot steuern, in dem sie bei jedem Song Daumen hoch oder Daumen runter klicken. Diese Funktion werde dazu beitragen, Nutzer des kostenlosen Angebots in zahlende Abonnenten zu konvertieren, so Westergren, was wiederum steigende Umsätzen für die Industrie generiere.

„Du hörst Pandora und teilst dem Dienst per Daumen mit, in welche Richtung es gehen soll. Beim hundertsten Daumen wirst du benachrichtigt, dass anhand deines bisherigen Abstimmverhaltens fünf individualisierte Playlists für dich erstellt wurden – mit den ausgewählten und einigen weiteren Songs. Und sie werden auf dein Handy heruntergeladen, damit du sie offline abspielen kannst. Dafür musst du lediglich Pandora abonnieren,“ sagt er.

„Man schafft Anreize, für die sie zahlen wollen. So lockt man Leute an, und nicht, indem man sagt: ,Hier sind 30 Millionen Songs und ein Suchfeld für 10 Mäuse im Monat.“
 

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